Black Holes have no Hair – 2020

18. und 19. September 2020 jeweils 20 Uhr
Katholische Kirche St. Maria (Marienkirche), Tübinger Straße 36, 70173 Stuttgart
Künstler:
Musik Karoline: Höfler (Bass), Ulrich Wedlich (Gitarre / Elektronik)
Tanz / Performance: Antje Jetzky, Sawako Nunotani, Petra Stransky, Gabriela Velasco
Konzept / Realisierung: [jetzky:wedlich]
Technik: Gui Votteler
Eintritt frei – Reservierung per E-Mail – Spende willkommen!

2020 wollten wir unser 15 jähriges Bühnenjubiläum und 10 Jahre [jetzky:wedlich] Tanz und Musik in der Marienkirche feiern.
2020 schätzen wir uns glücklich durch die Wiederaufnahmeförderung der Stadt Stuttgart wenigstens ein Projekt wieder präsentieren zu dürfen.

2018 beschäftigten wir uns mit dem Astrophysiker Stephen Hawking und seinen Theorien. Er ist ein Beispiel dafür hinter Normalitäten oder Realitäten zu schauen.
Schwarze Löcher sind unsichtbar. Kein Mensch hat sie je gesehen. Und doch stellen sie ein wichtiges Erklärungsmodell unserer Welt dar.

Hawkings Theorie vereint die Theorien der Kräfte des großen Weltalls mit denen der kleinsten Teilchen; den Quarks. Abstand, Anziehung, Distanz, Attraktion, Individualität, Schöpfung, Verschwinden, Entstehen sind Kernthemen seiner Forschung.

Mit unseren künstlerischen Mitteln Tanz und Musik und Performance stellen wir uns diesen Kernthemen und setzen sie in Sichtbares, Erlebbares, Körperliches und Hörbares um.

In Zeiten wie diesen, in denen unsere Welten – Gemeinschaft – Gesellschaft im Ausnahmezustand lebt und regiert wird, wo Solidarität und Zusammenhalt ein Gebot der Menschlichkeit darstellen, beschäftigen wir uns mit dem Werk eines Wissenschaftlers, der beharrlich seine Theorien verteidigte und an etwas glaubte das unglaublich war.
Erst 2019 gelang der photographische Beweis eines Schwarzen Loches, indem Forschungszentren, die über die ganze Welt verteilt sind, zusammengearbeitet haben, um ein virtuelles Teleskop der Größe der Erde zu simulieren – mit Erfolg.
Wie schön wäre es diese Art der globalen Kooperation auch in Bezug auf aktuelle Aufgaben – Pandemien – Armut – Umweltzerstörung – Zugang zu Wasser / Bildung etc. zu erleben?

In diesem Sinne freuen wir uns außerordentlich Black Holes have no Hair mit einem in Stuttgart lebendem Team von Tänzer*innen und Musiker*innen in der Stuttgarter Marienkirche spielen zu können.

Wir laden herzlich ein dabei zu sein.
Natürlich mit Abstand.

Vielen Dank unseren Förderern:




PERFORMANCES

The Golden Throne – Tanz – Musik – Performance –  Freitag, 19. Juli 2019 – 20 Uhr – Kirche St. Maria http://st-maria-als.de

The Golden Throne – Installationen und Performances 19. – 21. September 2019 – ab 19 Uhr – Landesmuseum Stuttgart https://www.landesmuseum-stuttgart.de/besuch/hier-geht-was/

The Golden Throne – Kurzperformances                                                                                     19. Oktober 2019 – 19 – 24 Uhr – LIFT stuttgartnacht – Kirche St. Maria https://www.stuttgartnacht.de

The Golden Throne – zu Gast bei Petra Stransky im Landesmuseum Stuttgart November 2019 https://www.landesmuseum-stuttgart.de/besuch/hier-geht-was/

MACHTRITUALE UND MASSENHALTUNGEN

„Massenhaltung“ ist ein Arbeitsbegriff, an dem sich für uns Fragen entzünden. Wie ist das Verhältnis von Unterwerfer und Unterworfenen, oder sind diese sich unterwerfende?
Werden Individuen als Masse gehalten oder folgen sie, als Ergebnis eines evolutionären Prozesses, einem Herdentrieb?
Wer trägt welche Verantwortung?
Geht es um die Attraktivität, als Einzelner, in der Macht und Größe einer Masse aufzugehen?
Oder geht es um Sicherheit, Energieeffizienz und Verantwortungslosigkeit?

Unser Ziel ist, einige der Mechanismen von „Massenhaltung“ zu verstehen, einige Machtrituale körperlich zu probieren, transparent zu machen, Aufmerksamkeit und Interesse zu wecken und aus einem künstlerischen Think Tank heraus Reflexion und neue Blickwinkel zu öffnen.

In unserer Recherche beziehen wir uns auf die Ansätze der Philosophen Elias Canetti, Hannah Arendt und Michel Foucault.

Canetti unterscheidet geschlossene und offene Massen. Baulich geschlossene Massen beispielsweise sind meist „institutionalisierte Massen“ der Kirchen. Sie besitzen Regeln und Zeremonien, welche die Masse „abfangen“. „Lieber eine sichere Kirche voll von Gläubigen als die unsichere ganze Welt.“[12] Die Institution stellt demnach eine Zähmung des Massentriebes dar.

Hannah Arendt prägte den Begriff von der „Banalität des Bösen“.
Wann greifen Vorstellungen von Moral und Ethik oder ist alles evolutionäre Mechanik?

Michel Foucault zum Begriff Macht:
„Ein Ensemble von Handlungen, die sich auf mögliches Handeln richten, und sie operiert in einem Feld von Möglichkeiten für das Verhalten handelnder Subjekte. Sie bietet Anreize, verleitet, verführt, erleichtert oder erschwert, sie erweitert Handlungsmöglichkeiten oder schränkt sie ein, sie erhöht oder senkt Wahrscheinlichkeit von Handlungen, und im Grenzfall erzwingt oder verhindert sie Handlungen, aber stets richtet sie sich auf handelnde Subjekte, insofern sie handeln oder handeln können. Sie ist auf Handeln gerichtetes Handeln.“

WORK2018

work of 2018 many thanks to the wonderful dancers Petra Stransky, Daura Hernandez Garcia, Sawako Nunatani, great musician Ulrike Stortz, supporting fotographer Berit Erlbacher and Frank Post

About US

WERK

Seit 2005 arbeiten wir – Antje Jetzky (Tanz, Choreografie, Performance) und Ulrich Wedlich (Gitarre, Komposition, Malerei) – an interdisziplinären Fragestellungen innerhalb der darstellenden Kunst. Einen Schwerpunkt der Arbeit bilden Duo-Stücke in denen wir Lebensthemen ausloten, kollektiv inszenieren und performen. Es entstanden

abendfüllende Bühnenprogramme 2005 Rite of Change / 2007 Sphären/ La Ola/ 2008 Hier meine Erde/ 2009 L‘Opéra de la Lune / 2011 Sonata 4(for)—2(two) / 2012 SUPERschwestern

performative, multimediale Arbeiten 2005 RazzFazz@vat.org / 2006 Puppenstube/ 2009 Move Design / 2011 and.I mit Einladung zum Solo-Tanz-Theater Festival Stuttgart / 2011 In Her Skin/ Chrysalis- Puppenstube / 2012 Reaktion / 2014 Her Space Room G – Einladung zum Raumstipendium JUST) die an Festivals (Klangraumfestival Stuttgart), im Theater, im öffentlichen Raum oder in Galerien zur Aufführung kamen.

Musiktheater mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen 2010 iCONS / 2012 Fassaden, 2014 Silence / 2014 Glückstreffer, 2015 Hero / 2013 – 2015 Kreativlabor mLAB (mlabblog.wordpress.com) das aus Mitteln des BMBF – Kultur macht stark – gefördert wurde.

Bei den Projekten arbeiten wir mit Künstlern anderer Genres nach einem partizipativen Ansatz (devised theatre), weil für uns Authentizität, Individualität und künstlerische Eigenständigkeit der auftretenden Künstler in der Zusammenarbeit maßgeblich ist. Seit 2010 liegt ein Schwerpunkt in der Erforschung von 3D (Raum) und 2D (Projektion)-Bewegungsbildern in performativen SituationenDazu erweiterten wir unseren Aktionsradius von definierten Theater- oder Innenräumen in den öffentlichen Raum und öffentlich genutzte Innenräume (Kirchen, Bibliotheken, Galerien etc.).

Wir fingen an die Kirche St. Maria als Aufführungsort für unsere Projekte zu erschließen. Von 2013 bis 2015 haben wir die Performancereihe INVERSION im damals scheinbar vergessenen, sakralen Raum durchgeführt, um ihn mit künstlerisch-kreativer Energie beleben. Seit 2015 kreieren wir Performances, die philosophische und gesellschaftliche Fragestellungen thematisieren.

2015 Also sprach…. : Performance-Collage inspiriert durch Nietzsches Zarathustra
2018 What’s behind…?:Recherche, Improvisationen und Performances zu Stephen Hawkings kosmologischen Denkmodellen
2019 The Golden Throne: Recherche, Performances und Installationen zu Machtritualen und Massenbewegungen, Besetzern und Mitschwimmern

Arbeitsweise/ästhetischer Ansatz

Einem neuen Projekt/Thema nähern wir uns mit Diskussionen über gegensätzliche Begrifflichkeiten, die zu unterschiedlichen Ansatzversuchen führen, z.B. Schönheit – Hässlichkeit, Gewohnheit – Fremdheit, Behaglichkeit – Unbehaglichkeit, Recht – Unrecht etc. Damit hinterfragen wir die möglichen Wirklichkeiten.

Eine Abwägung von Experiment, Improvisation, Komposition / Choreografie führt letztlich zur Form der Präsentation. Ein Blick auf harmonikale Zusammenhänge und chaotische Interferenzen ist oft ein Mittel den Prozess des Entstehens zu beobachten. Jeder beteiligte Künstler bringt sich dabei gemäß seines Könnens, seiner Erfahrung und persönlichen Anliegens ein.
Neue Realisierungsformen zu finden, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. D.h. Themen an kunstentfernte Ort zu stellen und den Prozess des Schaffens uns Störens zu untersuchen.

Neben unseren Kernkompetenzen Tanz / Musik binden wir Malerei – Video – Installationen – Materialtheater in unsere Arbeiten ein. Am Ende steht ein gestalteter Raum da, in dem Tanz- und/oder Musik-Performances stattfinden, Objekte und Installationen präsentiert werden.